7.Rede zu PoE       04.06.2017                   

Politische Moral und Solidarität               

Zuerst, auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, sollte uns eines immer klar vor Augen sein:

In unserem demokratischen System  ist die Macht beim Souverän und der Souverän ist das Volk und das sind wir!

Überlassen wir also nicht den Nein-Sagern und Nationalisten das Feld. Sie versprechen nicht, dass sie es anders machen als ihre Vorgänger, nämlich europäisch zu denken.  Sie versprechen eine nationale Erlösung, reden mit gestrigen Begriffen und von Europa reden sie schon gar nicht.Sie werden scheitern und das Volk wird noch enttäuschter und noch konsequentere  Lösungen suchen und wir wissen wohin das führt. Die Politiker kamen von ihren europäischen Ratssitzungen zurück und sagten uns nicht die Wahrheit, sie sagten nicht, das  müssen wir gemeinsam lösen, sondern betrieben Europa- bashing.  Denn immer, so sagten sie uns, war Europa schuld. Und immer wurde Europa zugunsten nationaler Interessen verraten. Die nationalen Lösungen blockierten Gemeinschaftslösungen, wie z. B. bei der Flüchtlings- und          Migrationspolitik der letzten Jahre.

Wir können dies nicht allein der Politik überlassen, wir müssen Forderungen stellen und wir müssen sagen, was wir wollen und was uns wichtig ist. Wir brauchen eine Sprache, die der heutigen Zeit gerecht wird, so Sabine Hack. Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral. In Zeiten globaler Ungleichheiten – mehr denn je! Das heißt- wir müssen wieder mehr  Solidarität wagen!

Ist Solidarität kein zeitgemäßer Begriff mehr? in einer globalen Welt in der die Ungerechtigkeit zunimmt und lt. Oxfam- Bericht, das reichste Prozent der Weltbevölkerung  50,8 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt – und damit mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. In der ich beim Textilkauf mitentscheide, ob dadurch Menschen in manchen Regionen Europas oder Asiens  würdevollere Lebensbedingungen bekommen!

Oder orientiert sich Solidarität nur am Umfeld der eigenen Gruppenzugehörigkeit, während gleichzeitig als moralische Leitwährung   das neoliberale Credo gilt „dass jede und jeder nur für sich selbst- nicht aber für andere verantwortlich ist“!

Zunehmende Ausbeutung,  Verunsicherung, Ausgrenzung, Entwürdigung, Hass, Gewalt und Terror sind mehr denn je wieder die Themen unserer Zeit.

Und nicht Wenige meinen, dass man nicht alle berücksichtigen und nur der eigenen Gruppe gegenüber Solidarität empfinden sollte.

Und ist nicht ein solches Verhalten in unserer Gesellschaft exemplarisch dafür, weshalb Solidarität in unserer Sprache  fast abhanden gekommen ist.

Können wir heute Solidarität räumlich und kulturell begrenzt denken?

Wir wollen heute dafür ein Zeichen setzen und dies vernehmbar artikulieren, denn sie muss wieder hörbar werden. Es geht uns darum , uns nicht nur mit unserer Solidarität  in dem eigenen Echo- Raum zu bewegen.  Es geht darum, und dies ist eine Frage der universellen- politischen Moral, uns mit denen verbunden zu fühlen, die wir weder kennen  und mit denen wir in unserem Alltag nichts zu tun haben.

Eine Sprache, in deren Grammatik sich das Zusammen- und Miteinander- Sein der Verschiedenheiten abbildet und die Bereitschaft, sich dieser Welt zu öffnen und diesen uns fremden Lebenswirklichkeiten nicht ablehnend, sondern neugierig  gegenüber zu stehen.

Solidarität ist also nicht mehr und nicht weniger, als der Name für ein Ethos der Begegnung mit den Anderen ohne deren Andersheit auszulöschen.

Danke

Helmut Hirte