9. Rede  PoE  6.8.2017 

ich zitiere zu Beginn Jose Saramago:

Wir können sehen und sehen nicht- wir leben mit dem alltäglichen Horror und haben gelernt wegzuschauen. 

Denn in einer abstrakten Welt, in der Kampf und Konkurrenz  zu den Triebkräften unserer Existenz wurden, dominiert die Gewalt. Oder anders ausgedrückt, ein Leben ohne Mitgefühl ist auf Feinde angewiesen.

1. Umwelt

Wollten wir auf der Welt den Hunger nach unseren derzeitigen Maßstäben beenden, brauchen wir 3,2 Erden. Belassen wir es so wie es derzeit ist, dann brauchen wir lediglich 2035 noch eine zweite, die derzeitigen negativen Auswirkungen unseres Lebensstils auf die ärmeren Länder inbegriffen.

Das sechste große Massensterben auf der Erde hat begonnen – da sind sich Forscher sicher. Die Zahlen sind erschreckend: 41 Prozent aller Amphibien-Arten und 26 Prozent aller Säugetier-Arten sind bedroht. Und warum dies wieder Thema für mich ist  –  weil niemand wirklich handelt!

Laut Swiss Re , die Schweizer Rück- Versicherung, welche sich seit 150 Jahren mit Voraussagen beschäftigt, steigt der Wasserspiegel bis zum Ende dieses Jhdt. auf mindestens über 1m an, aber wahrscheinlich noch höher und das betrifft unsere Urenkel und wer  Uropa/ Oma ist, weiß auch, dass die Zeit nicht stehen bleibt.

Wenn man weiß, wie Politik seit der Veröffentlichung „Grenzen des Wachstums“ 1972 in Davos mit diesen Fakten umging, frage ich mich- wer soll dieses Menschheits-Problem angehen, bis wohin können wir den Politikern vertrauen?

2. Wachstum

Wir müssen  nachhaltig über den Begriff Wachstum reden, Forscher sagen, dass die Zeit des Wachstums zu Ende geht, bzw. nachweisbar immer weniger wird. Aber eine Gesellschaft die auf Wachstum und  Gewinnmaximierung aufgebaut ist, verändert sich nicht von alleine.  Hier wirken starke Kräfte dagegen. Kräfte, welche sich am Gewinnstreben orientieren  und sich gegen Machtverlust stemmen werden.

Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag, es  braucht notwendige Visionen um Veränderungen herbeizuführen, und dass etwas geändert werden muss, zeigen alle Fakten.

Die Politik agiert mutlos, Konspiriert eher mit den Mächtigen- den Konzernen- Banken – Versicherungen – als das Interesse der Bürger zu verfolgen. Immer ist „too big to fail“(zu groß, um zu Scheitern) der offizielle Grund  einfach so weiter machen zu „müssen“ und immer auf Kosten der Menschen, inzwischen sichtbar – aller Menschen auf dieser Erde?

Die Macht der Konzerne gebiert Ungeheuer: korrupte Manager –Wahnsinnsboni u. Kartelle. Grundlage zur Bildung eines Kartells ist jedoch kriminelle Energie, wie eine Staatsanwaltschaft der USA einem VW- Manager vorwirft, der dort im Gefängnis sitzt, während gleichzeitig unsere Politiker mit den Konzernen für das gleiche Vergehen einen Minimalkonsens vorstellen, der im Interesse dieser ist- und zum Schaden der Gesellschaft. Oder, wie das Sprichwort sagt, die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen, und ich erinnere mich noch gut an die Hetzjagd auf Schwarzarbeiter von Politik und Medien veranstaltet.

3. Konsum oder das Märchen vom Konsum

Er treibt unsere Wirtschaft an und wurde zur Obsession der Politiker, einkaufen –einkaufen- vom Staatsbürger wurden wir zum Konsumenten!
Eine Nation von Konsumenten! Aber wenn die Wirtschaft ein Eigenleben annimmt, unser Denken und tägliches Handeln bestimmt, haben wir am Ende ein System, das nicht nachhaltig ist, denn es zerstört die sozialen Beziehungen und darüber hinaus die Beziehungen zu unserer natürlichen Umwelt.

Es geht ganz zentral um den Widerspruch zwischen Demokratie und Kapitalismus. Dies wurde uns immer als komplementär dargestellt. Aber bei näherem Hinsehen ist dies nicht so, nicht, wenn der Kapitalismus die Form des Finanzkapitalismus annimmt und sich politischer Prozesse bemächtigt. Wenn Politiker nach Sitzungen erst einmal schauen müssen, was der Markt dazu sagt.
Und wer glaubt heute noch an die soziale Marktwirtschaft, die soziale Verantwortung der Wirtschaft nach dem Grundgesetz und wem soll  der Bürger vertrauen?

Es gibt keine rein wirtschaftliche Macht, die über die Dynamik der Verteilung von Reichtum bestimmt, es sind viele mögliche Entwicklungen denkbar, die Zukunft ist nicht festgeschrieben, auch  wenn es einige Wenige auf der Welt uns  permanent einreden wollen.

Wir müssen uns diese Situation bewusst machen, handeln und nicht wie derzeit – die Gesellschaft dem Markt überlassen. Der Markt muss in die Gesellschaft integriert werden. Sonst sind nicht nur 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, was für mich schon unvorstellbar ist und da wird auch die Militarisierung des Mittelmeeres durch die  EU gegen Flüchtlinge kein Hindernis sein. Denn wenn man schon nichts mehr zu verlieren hat, warum sollte man den Tod fürchten. Lasst uns  Wege suchen, im Interesse unserer Enkel!

Ein zorniger Großvater.
Helmut Hirte

Download als PDF